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  HCM Erkrankung bei Katzen
   
 

Cardiomyopathien bei Katzen
 
Bericht in Katzen extra Aug./99
von Ulricke Hofmann

Cardiomyopathien sind krankhafte Veränderungen des Herzmuskels, die die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen. In fortgeschrittenem Stadium führen diese Veränderungen zu tödlicher Erkrankung des Tieres oder zum plötzlichen Tod durch allgemeines Herzversagen oder Thrombosen. Sobald äußere Symptome auftreten, ist es erfahrungsgemäß bereits zu spät, um die Lebensqualität und Lebensdauer der erkrankten Katze noch entscheident zu beeinflussen. Die Lebenserwartung liegt dann noch bei einem halben Jahr oder deutlich darunter. Schätzungen gehen davon aus, dass 10 bis 15 Prozent unserer Katzen von Cardiomyopathien betroffen sind.
 
Symptome und Entstehung:
 
Unabhängig von der Ursache haben alle Formen der Cardiomyopathie die gleichen Symptome: Atemnot, Appetitlosigkeit, Flüssigkeitsansammlungen in Brustkorb oder Lungen. Auch Bewegungsunlust oder Lähmungen können als Folge verringerter Durchblutung oder der schon erwähnten Thrombosen auftreten.Obwohl die Symptome generell eine Folge der verminderten Herzleistung sind, müssen zwei verschiedene Formen unterschieden werden.
 
DCM:
 
Bei der dilatativen Cardiomyopathie ( DCM ) ist der Herzmuskel dünner und schlaffer als normal, was die unzureichende Pumpleistung verursacht. Als Ursache gelten alterbedingte Herzklappenfehler sowie Taurinmangel, der beim heutigen Futterangebot eigentlich nicht mehr auftreten dürfte.
 
HCM:
 
Die hypertrophe Cardiomyopathie ( HCM ) hingegen ist durch eine zu dicke Herzwand gekennzeichnet. Hier ist also nicht die Pumpleistuntg, sondern das geringere Volumen der Herzkammer das primäre Problem. Bei erkrankten Katzen wurden schon Herzwandstärken von elf millimeter gemessen; das ist etwa das Doppelte dessen, was maximal als normal anzusehen ist. Das Wichtigste ist jedoch die Tatsache, dass HCM in den meisten Fällen ererbt ist. Es gibt einige wenige Grunderkrankungen, die zu den gleichen Symptomen führen: Aortenverengung, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion und Akromegalie. Die hierdurch entstehende HCM führt auf Dauer jedoch zu DCM, d.h. zu einer Erschlaffung des Herzmuskels. Sind die hier aufgeführten Erkrankungen durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen, ist von einer erblich bedingten Ursache auszugehen.
 
Genetik:
 
Zunächst das Erfreuliche: HCM ist, nach dem heutigen Stand der Forschung, autosomal dominant erblich, d.h. es gibt bei Katzen vermutlich keinen rezessiven Erbgang, der, über Generationen unbemerkt, plötzlich für böse Überraschungen sorgt, und auch keine geschlechtsgebundene Vererbung. Ein Tier ohne Befund ist gesund und nicht Träger der Krankheit; ein erkranktes Tier hat mindestens einen Elternteil, der Symptome aufweist, und vererbt die Krankheit. Das ist leider nur die reine Lehre und deshalb wird es jetzt etwas komplizierter. Beim Menschen wurden bisher über 100 Mutationen von sieben Genen gefunden, die für HCM verantwortlich sind. Diese Mutationen verändern die Proteinstruktur der Muskelfasern des herzens, was die Verdickung der Herzwand verursacht. Der Wirkungsgrad dieser Mutationen auf das Krankheitsbild ist unterschiedlich. Die Krankheit tritt zwar immer auf, wenn sie genetisch vorhanden ist ( vollständige Penetranz ), die jeweiligen Mutationen beeinflussen aber die Ausprägung und den Verlauf ( variable Expressivität ). Alle bisherigen Forschungen legen den Schluß nahe, dass diese Erkenntnisse auch für unsere Katzen gelten, auch wenn hier die betroffenen Gene noch nicht nachgewiesen wurden. Aus den bisher über HCM bei Katzen durchgeführten Studien ergibt sich kein Hinweis, dass ein erkranktes Tier zwei gesunde Elternteile haben können, d.h. der Erbgang ist auch bei den Katzen dominant bei vollständiger Penetranz. Bei der Verpaarung von Katzen, die beide von HCM betroffen sind, kommt etwa ein Drittel der Kätzchen tot zur Welt, die überlebenden Tiere entwickeln die Krankheit häufiger, früher und stärker als Tiere, bei denen nur ein Elternteil betroffen ist.
 
Diagnose:
 
Die einzige sichere Diagnosemöglichkeit ist derzeit eine Ultraschalluntersuchung, dabei kann HCM auch schon vor dem Auftreten von Symptomen nachgewiesen werden. Bei Routineuntersuchungen bemerkte Herzgeräusche können ein Hinweis auf das Vorliegen von HCM sein, ersetzen aber nicht den Ultraschall. Da die Erkrankung bei der Geburt meistens nicht präsent ist, sondern sich erst im Lauf der Zeit entwickelt, liegt der Zeitraum für eine sichere Diagnose zwischen ein und fünf Jahren. Das ist zwar eine große Zeitspanne, erklärt sich aber aus den obigen Ausführungen zur Genetik von HCM. Außerdem gibt es noch rassespezifische Variationen, so entwickeln betroffene Maine Coon-Kater HCM zwischen zwei und zweieinhalb Jahren, Maine Coon-Katzen mit drei Jahren oder darüber, andere Rassen erkranken deutlich früher. Die Ursache hierfür sind noch unerforscht.
 
Behandlung und Prophylaxe:
 
Eine Behandlung, die Lebenschancen und Lebensqualität deutlich verbessert, gibt es nicht.  Zur Linderung der Beschwerden können Medikamente verabreicht werden, die die  Herzfrequenz vermindern, sowie Aspirin als Thromboseprophylaxe. Diese Maßnahmen  sind der Humanmedizin entlehnt, einen Nachweis der Wirksamkeit aus der Tiermedizin  gibt es meines Wissens (noch) nicht.
 
Die Aspirinbehandlung muß unter strikter tierärztlicher Kontrolle erfolgen, eine unkontollierte  Behandlung durch die Halter kann für das Tier tödlich enden.
 
Angesichts dieses düsteren Szenarios bleibt eigentlich nur die konsequente Prophylaxe,  auch wenn diese zwangsläufig nur auf einen sehr kleinen Kreis unserer Katzen beschränkt bleibt, schließlich stammen die meisten Stubentiger nach wie vor aus ungeplanten, unkontollierten  Verpaarungen. Andererseits ist aber der Anteil der Rassekatzen stetig im Wachsen begriffen, so dass den Züchtern schon deshalb eine besondere Verantwortung zukommt. Erste Maßnahme  ist natürlich der Ausschluß von Tieren mit HCM aus der Zucht. Dieses scheinbar so leichte  Unterfangen wird allerdings erschwert durch die lange Zeitspanne, innerhalb derer HCM auftreten kann.  Oft genug waren scheibar gesunde Tiere jahrelang in der Zucht, bevor die Krankheit in Erscheinung  trat. In solchen Fällen muß ein verantwortungbewußter Züchter versuchen, die Besitzer seines  Nachwuchses zu informieren und zu einer Untersuchung zu veranlassen. Das gilt um so mehr,  wenn "verdächtige" Tiere an andere Züchter verkauft wurden. Auch wenn immer wieder totgeborene  oder früh verstorbene Kätzchen zu beklagen sind; kann HCM im Spiel sein, ebenso, wenn Tiere  im "besten Alter" bei Streß oder Anstrengung kollabieren oder gar sterben. Auch wenn  HCM rückwirkend ganze Zuchtprogramme zunichte machen kann, ist der offene und  ehrliche Umgang mit dem Problem der einzige Weg. Dazu gehört auch der Blick zurück,  wenn sich z.B. plötzlich herausstellt, dass ein Urahn des wertvollen Zuchtkaters HCM-Träger ist.  Sind dann noch Verwandte dieses Katers früh und unter ungeklärten Umständen gestorben,  ist Vorsicht und somit eine Untersuchung angesagt. Eine nicht minder wichtige Rolle kommt  aber auch den Tierärzten zu. Bei Forschern und Züchtern wird derzeit davon ausgegangen, dass  das wahre Ausmaß von HCM gar nicht bekannt ist. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass bei  Todesfällen z.B. im Zusammenhang mit Routineoperationen selten nach der Ursache gesucht wird.  Für den Besitzer ist es ein Unglück, eine Obduktion wird nicht in Betracht gezogen.  Die Folge ist, dass Züchter, wenn sie überhaupt vom Tod eines Kätzchens erfahren, die Todesursache  nicht kennen, folglich auch keine Konsequenz ziehen können. Hier kann der Tierarzt durch  Aufklärung eine Mittlerrolle spielen und die Bemühungen verantwortungsbewußter Züchter unterstützen.
 
Nicht zuletzt ist dies aber auch ein Appel an die Katzenbesitzer, den plötzlichen Tod einer Katze nicht auf sich beruhen zu lassen. Natürlich ist es schwer, nach dem Verlust eines Tieres und meist teurer Behandlung, sich auch noch für die Obduktion zu entscheiden.  Aber die Züchter sind auf diese Informationen angewiesen, wenn sie gesunde, vitale Tiere züchten wollen. Dies gilt im übrigen nicht nur für die hier geschilderte Problematik.
 
Im Internet gibt es derzeit zwei Webseiten, auf denen sich grundlegende Informationen zu HCM befinden: http://members.aol.com/jchinitz/hcm/ http://www.geocities.com/Heartland/7528/thcm.html
 
Auf beiden Seiten finden sich auch Links zu weiteren HCM-Seiten und anderen medizinischen Themen. Allerdings sind diese Seiten englischsprachig!!!
 
Am 30.05.2000 hielt Dr. Kittleson (USA) in der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Utecht eine Vorlesung über HCM bei Katzen. Die Vorlesung war von der niederländischen "Stichting Felissana" eigens für Katzenzüchter organisiert worden. Barbara Kirch hat diese englischsprachige Vorlesung zusammengefasst und für deutsche Züchter verständlich gemacht. Abbildung des Herzens am Ende des Textes Die hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) ist bei Katzen seit 8-9 Jahren bekannt. Die Maine Coon soll nicht als besonders betroffene Rasse herausgestellt werden, denn es sind auch andere Rassen betroffen. Wesentliche Krankheitszeichen sind eine Verdickung der Wand der linken Herzkammer (Ventrikel), die sowohl global als auch regional sein kann (das ist zwischen Rassen und auch zwischen einzelnen Katzen einer Rasse verschieden), eine Verdickung der Papillarmuskeln, eine systolische Vorwärtsbewegung der Mitralklappe (systolic anterior movement; SAM), schließlich eine Vergrößerung der linken Herzkammer und letztendlich Herzschwäche und Herzversagen. Bei der echokardiographischen Untersuchung werden die Messungen diastolisch, also bei erschlafftem Herz durchgeführt. Das SAM fürhrt übrigens zu einem abnormen Blutrückfluß durch die Mitralklappe während der Austreibungsphase bzw. Kontraktionsphase und ist die Ursache des Herzgeräusches. Klinische Zeichen treten erst auf, wenn die Krankheit schon weit fortgschritten ist. Der Tod an HCM kann durch drei Mechanistmen erfolgen:
 
plötzlicher Herztod, z.B. durch Rythmusstörungen, Kammerflimmern
Herzversagen (Symptome sind Herzrasen, beschleunigte Atmung, Kurzatmigkeit, Lungenödem und Pleuraerguß)
Thrombenbildung, einerseits im linken Vorhof durch abnorme Blutflüsse und den Rückstau des Blutes mit Erweiterung des Vorhofs und verlangsamtem Blutfluß, andererseits in der Kammer bei hochgradiger Erweiterung und Herzschwäche. Die Thromben im Vorhof können abgelöst werden und in den arteriellen Kreislauf verschleppt werden (so kommt der sog. Satteltrombus an der Aufzweigung der Becken- und Beinarterien mit Lähnmung der Hinterbeine zustande)
 
HCM bei Menschen:
 
Bei Menschen zeichnet sich die HCM echokardiographisch vor allem durch eine erhöhte Dicke der Wand der linken Kammer und insbesondere eine meist asymmetrische Verdickung des Kammerseptums (Scheidewand zwischen den Herzkammern) aus, auch hier kommt es zu einer SAM, also einem Klappenfehler und einem Herzgeräusch. Im Mikroskop sieht man eine unregelmäßige, unordentliche Anordnung der Muskelfasern, eine Narbenbildung und eine Atherosklerose (Gefäßerkrankung) der kleinen Herzkranzarterienäste, das ist eigentlich der Beweis für das Vorliegen einer erblichen Form. Frau Christine Seidmann beschrieb 1952 zuerst eine Form von erblicher HCM bei Menschen, indem sie Untersuchungen an Familienmitgliedern eines erkrankten jungen Mannes durchführte. Seither sind in verschiedenen Familien insgesamt 125 verschiedene Mutationen mit Mutationen an allen 9 verschiedenen Genen gefunden worden, die mit der Herzmuskelbildung zu tun haben (Sarkomergene). Es können Veränderungen auftreten an neun verschiedenen Muskelproteinen (der beta-Myosin kette, am Troponin T, an Alpha-Tropomyosin, an essentiellen und regulatorischen Leichtketten, am myosinbindenden Protein C, an Actin und einem weiteren Muskelprotein). Alle Mutationen an den Genen, die die Produktion dieser Muskelproteine steuern, und die zu HCM führen (die Mutation) sind dominant. Wie konnte man jetzt belegen, daß durch die entsprechende Mutation auch die Krankheit verursacht wird ? Menschen mit HCM haben z.B. Mutationen am Gen für beta-Myosin. Wenn man dieses mutierte Gen nun Mäusen implantiert, bekommen sie HCM. Wenn diese sich weitervermehren, haben die Nachkommen eine Chance von 50 zu 50, das Gen zu erben bzw. an HCM zu erkranken. Die Genmutation resultiert in der Bildung von abnormen Herzmuskelfasern (nämlich genau zur Hälfte entsprechend dem erkrankten Gen), die sich nicht richtig zusammenziehen. Diese Fehlfunktion führt dazu, daß sich die gesunden Herzmuskelfasern mehr anstrengen müssen, damit sich der Herzmuskel zusammenziehen kann. Darauf reagiert das Herzmuskelgewebe, indem sich die Herzmuskelzellen vergrößern und vermehrt versuchen, sich zu teilen. Dummerweise teilen sich dabei auch die 50% kranken Muskelfasern, die sozusagen dem Anteil des kranken Gens entsprechen, auch, so daß der Herzmuskel noch größer wird und noch mehr unnütze, nicht funktionierende Muskelfasern enthält. Das ist auch der Grund, warum reinerbig erkrankte Individuen sofort sterben, sie produzieren ja nur falsche Muskelfasern.
 
Wie fing es mit der Erforschung von HCM bei Katzen an ?
 
Eine Dame in Conneticut namens Marcia hatte eine Maine Coon, die an HCM erkrankte. Sie informierte sich über die Krankheit und fand heraus, daß sie bei Menschen erblich ist. Also fragte sie bei der Züchterin nach, aber der war nichts in ihrem Zwinger aufgefallen. Sie liess aber nicht locker, ging auf Ausstellungen, sprach Leute an, die Geschwister oder Verwandte ihrer Katze hatten, und hatte bald 5 verwandte Katzen, die an HCM erkrankt waren, gefunden.. Dann ging sie auf Dr. Kittleson zu und fragte ihn, ob er nicht Interesse hätte, dies genauer zu erforschen.Der rückte mit Crew und Echogerät bei der Züchterin in Conneticut an und untersuchte an einem Wochenende sämtliche Zuchtkatzen, dabei stellte sich heraus, daß von 35 Katzen 7 befallen waren. Das weckte sein Interesse und er beschloß, sein eigenes Zucht- und Forschungsprogramm auf die Beine zu stellen: Ein befallener Kater wurde mit drei befallenen Kätzinnen verpaart, die Kitten wurden behalten, um eine Zuchtkolonie zu gründen. Im Labor hat das aber nicht so richtig geklappt, der Kater war bereits herzinsuffizient und wollte nicht decken, obwohl die Katzen rollig waren. Frau Kittleson meinte, das wäre ja auch kein Wunder, bei den Bedingungen! Menschen wollten es ja auch ein wenig romantischer haben, mit Kerzenschein und so.... Also nahm Dr. Kittleson die Katzen zu sich nach Hause, die Vermehrung klappte und am Schluß waren es wohl 19 Stück. Wohl auch durch den hohen Inzuchtgrad kam es auch zu anderen Mißbildungen. Ein Kater war darunter, der keine HCM, aber eine Mißbidlung namens Genu recurvatum hatte, also Knie und Ellenbogen nicht beugen konnte, den hat er wohl behalten. Die gesunden Kitten wurden meistens weitervermittelt, die erkrankten für das Forschungsprojekt behalten. Die Zuchtversuche ergaben eindeutig ein autosomal dominantes Vererbungsmuster.
 
Bei der Verpaarung von befallenen mit unbefallenen Katzen ergaben sich:
- keine Krankheitszeichen, bevor die Katze ein Jahr alt war
- trat die Krankheit gewöhnlich in Erscheinung, bevor die Katze zwei Jahre alt war.
- War die HCM gewöhnlich schwer bzw. fortgeschritten vor dem zweiten bis vierten Lebensjahr.

Bei der Verpaarung von befallenen mit befallenen Katzen war es noch schlimmer:
- die Krankheit manifestierte sich teilweise schon im Alter von drei Monaten,
- schritt zwischen 6 und 18 Monaten zu einer schweren Erkrankung fort,
- sowohl Kater als auch Katzen entwickelten insgesamt früher eine schwere Erkrankung.

Insgesamt erkrankten etwas mehr Kater als Katzen. Die Katzen starben entweder am plötzlichen Herztod oder an Herzversagen, Tod durch Thromben oder deren Verschleppung wurde bei diesen Katzen nicht gesehen. Bei der Untersuchung der Herzen zeigte sich bei allen Katzen die Unordnung der Herzmuskelfasern und die Atherosklerose der kleinen Coronararterienäste in der Wand, die als Zeichen einer erblichen HCM angesehen werden. Das vorherrschende echokardiographische Zeichen war die Verdickung der Papillarmuskeln (Anmerkung: das sind zwei kegelförmige Muskeln, die in die Herzkammer hineinragen, und an denen die Sehnenfäden der Mitralklappe ansetzen, man kan sich diese Sehnenfäden etwa wie Abspannleinen bei einem Zeltdach oder wie die Seile beim Fallschirm vorstellen). Durch diese Verdickung wird die Klappe während der Saytole (Anspannungs- bzw. Austreibungsphase) nach Innen gezogen und schließt nicht richtig, es kommt zu einem Rückfluß von Blut in den Vorhof, den man dopplerechokardiographisch messen kann ("Farbdoppler"). Außerdem entseht so das Herzgéräusch. Der Rückfluß und das Herzgeräusch sind abhängig von der Herzfrequenz, also wie schnell das Herz klopft, der Fluß wird stärker und das Geräusch höher, wenn die Katze aufgeregt ist und langsamer bzw. niedriger, wenn die Katze ruhig ist und das Herz langsamer schlägt. Die anderen Teile der Kammerwand waren eher weniger und wenn, dann unregelmäßig verdickt (Grenzwert laut Dr. Kittleson: 5 mm). Insgesamt hielt Dr. Kittleson die Papillarmuskelverdickung und die Klappenveränderung (SAM mit Rückfluß) für entscheidende echokardiographische Kriterien. Die Verdickung der Restwand sei manchmal, vor allem in frühen Fällen, gar nicht so auffällig. Leider konnte er für die Papillarmuskleverdickung keine Grenzwerte nennen, das sei wohl Erfahrungssache. Zu den Fragen: Auf die Frage, was man denn als Züchter machen solle, wenn man vor allem junge Tiere testen lassen will, die am Ende nur ganz geringe Veränderungen haben, gab er zu daß dies ein Problem sei. Deshalb wird an der Entwicklung eines Gentest gearbeitet, denn wenn man das Erkrankte Gen gefunden hat bzw. nachweisen kann, kann man in jedem Alter feststellen, ob die Katze HCM vererbt. Bislang werden alle Genorte bzw. Chromosomen, von denen man weiß, daß auf ihnen Mutationen für menschliche HCM liegen, untersucht, aber bisher ist man noch nicht fündig geworden. Gibt es HCM bei anderen Rassen ? JA! Dr. Kittleson hat seine Forschungen inzwischen auf American Shorthair ausgeweitet. Er vermutet, daß es HCM auch bei anderen Rassen gibt. Mit denen arbeitet er aber nicht, kann also nichts genauses sagen. Interessant ist, daß die Krankheit bei der Maine Coon in der Regel einen bösartigeren Verlauf nimmt, sich in jüngerem Alter manifestiert. Bei den American Shorthair kann es Jahre dauern, bis die Krankheit manifest wird. Als Grund für die unterschiedliche Ausprägung der Krankheitssymptome inerhalb einer Rasse wird die Einwirkung von modifizierten Polygenen angenommen. Dr. Kittleson geht davon aus, daß es sich innerhalb einer Rasse immer um dieselbe Mutation handelt, wie bei Menschen innerhalb einer Familie. Eine niederländische Züchterin berichtet von einem Zuchtpaar, inzwischen sechs oder sieben jahre alt, die selbst keine klinischen oder echokardiographischen Krankheitszeichen haben, aber wohl Würfe mit erkrankten Kitten hatten. Das konnte er nur mit unvollständiger Penetranz des Gens erklären oder damit, daß die Elten eben nicht genau genug untersucht worden seien. Das sei nochmals ein Grund, endlich den Gentest zu finden, damit eben auch solche Tiere erfaßt werden könten. Eine Neumutation sei eher unwahrscheinlich. Bei der Gelegenheit wurde noch erwähnt, daß ein EKG wohl die Vergrößerung und Erweiterung des Herzens in der Endphase, aber keine frühen Veränderungen oder Papillarmuskelvergrößerung anzeigen könnte und deshalb zu ungenau ist. Kriterien für die postmortale Diagnose von HCM sind vor allem das Herzmuskelgewicht, die Wanddicke ist nicht so geeignet, da sich der Herzmuskel im Tod zusammenzieht. Normale Katzenherzen wiegen weniger als 20g, ab 30g bis 40g ist von einer schweren HCM auszugehen (dazwischen liegt wieder einmal eine Grauzone). Wie soll eine Katze behandelt werden, wenn HCM diagnostiziert worden ist ? Taurin nützt nichts, Taurinmangel ruft eine ernährungsbedingte dilatative Kardiomyopathie hervor (war früher häufig, bis der Zusammenhang entdeckt und das Katzenfutter entsprechend ergänzt wurde).Eine symptomatische Behandlung ist in der Frühphase mit ß-Blockern und Diuretika möglich, damit daß Herz entlastet wird, man hofft, daß damit auch die Vergrößerungstendenz der gesunden Herzmuskelzellen und damit das fatale Herzwachstum verlangsamt werden. Bei manifester Herzinsuffizienz gibt man ACE (Angiotensin converting enzyme)-Hemmer. Wann soll man testen ? Dr. Kittleson empfiehlt, Kater mit zwei Jahren und Katzen mit drei Jahren zu testen. In diesem Alter hätte sich die Erkrankung in der Regel manifestiert bzw, man fände im Echo entsprechende Veränderungen. Es würde eigentlich keinen Sinn machen, früher zu testen (Anm: dies ist ein Zitat). Wenn die Katzen in diesem Alter frei wären, hätte man eine gute Chance (80%-90%), daß sie kein HCM bekommen, ganz sicher könne man natürlich nie sein. Verläufe mit spätem Auftreten der Symtome wären bei Maine Coon sehr selten. Diese Form der HCM wird nicht durch Ernährung oder Infektionen hervorgerufen, sondern ist eben erblich.
 

Anatomie des Herzens:


 



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